Das Schokoladenpuddingproblem

oder die Perfektionierung eines Perfektissimums

Sinnt man über die Gemeinsamkeiten, aber auch über die Unterschiede eines Schälchens Schokoladenpudding und des Bramfelder Sees nach, so sind auf Anhieb zwei Dinge augenfällig. Zum einen: Beide sind ausgesprochen attraktiv. Zum anderen: Man kann die Attraktivität des Schokoladenpuddings etwa durch einen Klecks Sahne oder ein Löffelchen Vanillesauce deutlich erhöhen, die des Bramfelder Sees nicht, denn von ihm geht schon jetzt ein absolutes Attraktivitätsmaximum aus. Keine Uhr- oder Jahreszeit, kein Wetter, bei dem ein Spaziergang an seinen Ufern nicht ein Hochgenuss wäre.

Auf den zweiten Blick werden noch weitere Gemeinsamkeiten offensichtlich: Vor allem mit viel Geld kann man sowohl die Attraktivität des Schokoladenpuddings als auch die des Bramfelder Sees deutlich herab setzen. So würde es etwa dem Betreiber eines Edelrestaurants unmöglich sein, für ein aus etwas Milch, Kakaopulver und Zucker zusammengerührtes Produkt 27,50 € zu verlangen. Also mischt er ein paar Trüffelschnitzelchen hinein. Wirklich schmecken tut das zwar kaum einem Menschen, aber wenn man das verraten würde, erfolgte sofort ein Verweis aus dem erlauchten Kreise der Gourmets, vor allem dann, wenn ein komplett korrupter Restaurantkritiker schon etliche verbale Purzelbäume ob der phänomenalen Kreation geschlagen hat. Auch unsere Sterneköche aus Quartiersmanagement und Stadtteilbüro kreieren seit etlichen Jahren ihren (natürlich unseren) Bramfelder See neu. Da gab es zum Beispiel in der letzten Fortschreibung des Quartiersentwicklungskonzeptes den Reiherbeobachtungsplatz, sicher ein absolutes Desiderat, denn wo käme man hin, wenn man einfach nur so Reiher beobachtet, ohne auf dem dafür vorgesehenem Platz zu stehen? Es sind zwar keine Details genannt worden, aber ich gehe davon aus, dass man irgendwann einmal die entstehende pflegeleichte Betonplatte mit der entsprechenden Reiherbeobachtungsberechtigungskarte natürlich ausschließlich zu dem vorgesehenem Zweck nutzen kann.

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IKEA kommt!

Bald ist es so weit! Der schwedische Möbelgigant wird hier in Steilshoop seine vierte Hamburger Filiale eröffnen. Die Entscheidung für den Standort ist zwar etwas überraschend, aber durchaus folgerichtig, denn in den nächsten Jahren müssen rund 500 Wohnungen im Stadtteil komplett neu eingerichtet werden.

Ermöglicht wird das durch das Rahmenprogramm Integrierte Stadtentwicklung (RISE), das sich als neuen Schwerpunkt seiner Tätigkeit die Förderung und Subventionierung von Immobilienbesitzern gesetzt hat. Nachdem für die beiden großen Gesellschaften im Stadtteil – SAGA/GWG und Vonovia – in den nächsten vier Jahren fast eine Million Euro für Wohnumfeldverbesserungen vorgesehen ist, um deren Kosten für das Housing Improvement District (HID) mit einer ansprechenden Verzinsung zu ersetzen, muss nach Artikel 3 des Grundgesetzes (Gleichbehandlung) diese Erstattung auch den Besitzern von Eigentumswohnungen zu Gute kommen, welche ja ebenfalls einen Anteil zum HID geleistet haben. Sie dürfen jetzt also auch ihr Wohnumfeld verbessern, indem sie sich eine neue Couch zulegen oder sich endlich den langgehegten Wunsch nach einem gemütlichen Fernsehsessel erfüllen.

Bei den Erstattungsbeträgen wird man sich voraussichtlich an dem orientieren, was die SAGA/GWG erhalten hat. Forum Steilshoop berichtete darüber, dass es für diese Gesellschaft noch einen Zuschlag von rund 20% auf die für das HID eingesetzten Mittel geben wird.

Der jetzt ausbrechende Möbelbedarf ist natürlich von IKEA erkannt worden, und die Firma hat die historischen wikingischen Verbindungen genutzt, um das Einkaufszentrum jetzt statt des Danebrogs unter der blau-gelben Fahne zu führen. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass sich der ökonomische Grundsatz bestätigen wird, dass es kaum ein besseres Konjunktur-und Arbeitsmarktprogramm als Investitionen in den privaten Konsum gibt. In Steilshoop werden nicht nur Arbeitsplätze im Verkauf und in der Lagerhaltung geschaffen, sondern auch in der Gastronomie, denn die beliebten Köttbullar bereiten sich nicht von selbst zu.

Hat die „Fortschreibung RISE-Förderung“ das Handlungsfeld „Lokale Ökonomie“ nicht vielleicht schon zu früh aufgegeben?

Nicht mehr ambivalent: Die Bilanz der Quartiersentwicklung

Steilshoop hat es nun schwarz auf weiß, was es immer geahnt hat: Die Quartiersentwicklung 2008 – 2017 war ein (nahezu) grandioser Erfolg – und das liegt (ebenfalls nahezu) ausschließlich an der Quartiersentwicklerin und des an ihrer Seite kämpfenden Stadtteilbeirates.

Die seit dem 22. November dieses Jahres vorliegende „Bilanzierung und Fortschreibung RISE-Fördergebiet Steilshoop“ [im folgenden Bilanzierung] hält uns arroganten Lackeln, die wir uns einbilden, seit Jahren und Jahrzehnten unsere freie Zeit zu einem nicht unbedeutendem Teil zum Nutzen und Frommen von Steilshoop einzusetzen, vor Augen, dass wir eigentlich nur ein amorpher Haufen von Nichtskönnern, Dummschwätzern und Faulpelzen sind.

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