Das Schokoladenpuddingproblem

oder die Perfektionierung eines Perfektissimums

Sinnt man über die Gemeinsamkeiten, aber auch über die Unterschiede eines Schälchens Schokoladenpudding und des Bramfelder Sees nach, so sind auf Anhieb zwei Dinge augenfällig. Zum einen: Beide sind ausgesprochen attraktiv. Zum anderen: Man kann die Attraktivität des Schokoladenpuddings etwa durch einen Klecks Sahne oder ein Löffelchen Vanillesauce deutlich erhöhen, die des Bramfelder Sees nicht, denn von ihm geht schon jetzt ein absolutes Attraktivitätsmaximum aus. Keine Uhr- oder Jahreszeit, kein Wetter, bei dem ein Spaziergang an seinen Ufern nicht ein Hochgenuss wäre.

Auf den zweiten Blick werden noch weitere Gemeinsamkeiten offensichtlich: Vor allem mit viel Geld kann man sowohl die Attraktivität des Schokoladenpuddings als auch die des Bramfelder Sees deutlich herab setzen. So würde es etwa dem Betreiber eines Edelrestaurants unmöglich sein, für ein aus etwas Milch, Kakaopulver und Zucker zusammengerührtes Produkt 27,50 € zu verlangen. Also mischt er ein paar Trüffelschnitzelchen hinein. Wirklich schmecken tut das zwar kaum einem Menschen, aber wenn man das verraten würde, erfolgte sofort ein Verweis aus dem erlauchten Kreise der Gourmets, vor allem dann, wenn ein komplett korrupter Restaurantkritiker schon etliche verbale Purzelbäume ob der phänomenalen Kreation geschlagen hat. Auch unsere Sterneköche aus Quartiersmanagement und Stadtteilbüro kreieren seit etlichen Jahren ihren (natürlich unseren) Bramfelder See neu. Da gab es zum Beispiel in der letzten Fortschreibung des Quartiersentwicklungskonzeptes den Reiherbeobachtungsplatz, sicher ein absolutes Desiderat, denn wo käme man hin, wenn man einfach nur so Reiher beobachtet, ohne auf dem dafür vorgesehenem Platz zu stehen? Es sind zwar keine Details genannt worden, aber ich gehe davon aus, dass man irgendwann einmal die entstehende pflegeleichte Betonplatte mit der entsprechenden Reiherbeobachtungsberechtigungskarte natürlich ausschließlich zu dem vorgesehenem Zweck nutzen kann.

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Unsere Partnergemeinden?

Berlin-Marzahn, Halle-Neustadt, Magdeburg-Olvenstedt, Rostock-Lichtenhagen, Jena-Lobeda, Neu-Hoyerswerda, Hamburg-Steilshoop ….

Hamburg Steilshoop? In dieser Reihe? Noch nicht, aber bald!

Auferstanden aus Ruinen – ein wenig fraglich, ob der Zukunft zugewandt – ist der wegweisende Beschluss des des Ministerrates der DDR vom 21. April 1955, die Industrialisierung des Wohnungsbaus in die Wege zu leiten. Zwei Jahre später erfolgte die „Internationale Typentagung“ der RGW-Länder, auf dass sich der Eisenacher Bürger nicht nur im Schatten seiner Wartburg, sondern auch an der Pazifikküste etwa in Wladiwostok heimisch fühle. Seitdem kann man in halb Europa und mindestens in der Hälfte Asiens in Wohnbauten leben, welche so poetische Namen wie IW 65, QP 59 oder WBS 70 tragen. 1988 übergab Erich Honecker die dreimillionste Wohnung dieser Art, was allerdings ein sehr freies Spiel mit den Zahlen war, denn in Wirklichkeit hat man nicht einmal zwei Millionen geschafft.

In Anbetracht der angespannten Wohnsituation in der vormaligen DDR waren die meisten Menschen ausgesprochen glücklich, wenn sie in einen dieser Plattenblocks einziehen konnten. Allerdings verkehrte sich dieses Glück schon kurz nach der Wende (besseres Bild: kurz nach dem Einlegen des Rückwärtsganges) in sein Gegenteil. Die Perspektivlosigkeit, die mit der Vernichtung einer großen Volkswirtschaft einherging, kumulierte sich in den vormaligen Vorzeigeprojekten der DDR. Uns allen sind die oben aufgeführten Orte vor allem in den neunziger Jahren wohl bekannt geworden, etwa wenn dort Nazihorden brennend, z.T. auch mordend den Rest der Bundesrepublik daran erinnerte, dass ein längst untergegangen geglaubter Ungeist seine Auferstehung feierte.

Wenn nicht abgerissen, so sind doch die meisten Plattenbausiedlungen heute wenigstens so weit saniert, dass die immer noch vorhandenen Problematiken nicht sofort ins Auge springen. Wie allerdings in der alten Bundesrepublik auch werden sie wohl bis zu ihrem definitiven Ende niemals so einfach zu händeln sein wie ein gewachsenes und gepflegtes Wohngebiet.

Ausgerechnet an diesem aus heutiger Sicht archaischen Konzept und in Kenntnis der Probleme orientiert sich die SAGA Unternehmensgruppe mit ihren Systemhausbauten, die sie auch noch noch als „ästhetisch, modular und effizient“ verkauft.

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Steilshoop goes Elphi

Es war ein Festkonzert mit Werken von Vivaldi bis Adele. Durch den Abend führte das international besetzte Kammerensemble The Chambers aus Köln, das von den Chören Bramfeld’s Best Choice und dem Altonaer Chor4Fun mit ihrer gemeinsamen Chorleiterin Mayya Rosenfeldt unterstützt wurde.

Weil es in Steilshoop keinen angemessenen Aufführungsort mit mehr als 300 Sitzplätzen gibt, war es mehrheitlicher Wunsch, ein Jubiläumskonzert in der Elbphilharmonie auszurichten. Und nun ist es tatsächlich gelungen: Das Konzert zum Stadtteiljubiläum 50 Jahre Steilshoop fand im kleinen Saal der Elbphilharmonie statt und das NDR Hamburg Journal hat berichtet.

Dinosaurier in Steilshoop

Vater und Sohn Alvarez haben sich geirrt: Ihre These, dass vor 63 Millionen Jahren ein Meteoriteneinschlag vor der mexikanischen Halbinsel Yucatan den Dinosauriern den Garaus gemacht habe, kann nicht stimmen, denn in Steilshoop wurde vor einigen Tagen ein Vieh dieser Art gesichtet.

Ganz genau ist die Gattung noch nicht bestimmt, aber die Mehrheit der Fachleute geht davon aus, dass es sich um einen Quasselosaurus archaicus communis (Gemeine altmodische Laberechse) handeln müsse. Vieles spricht dafür, dass man es mit einem weiblichem Exemplar der im Mesoertelianum (gelegentlich auch als Mesosatanianum bezeichnet) weltweit verbreiteten Art zu tun hatte.

Schon kurz nach dem ersten Auftreten des Monsters haben die Steilshooper das Tier ins Herz geschlossen und ähnlich wie bei der Chicagoer Tyrannosaurierdame (Sue) ihr einen menschlichen Namen gegeben: Vera.

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Bürgerbeteiligung in der aktuellen Quartiersentwicklung. Sommer 2019

Drei Jahre sind vergangen, als ich auf Forum Steilshoop einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht habe, so dass es schon notwendig ist, auf das Erscheinungsdatum zu schauen, um zu erfahren, was mit „aktueller Quartiersentwicklung“ dort gemeint sein könnte. Vieles ist in Fluss geraten, aber es gibt auch Konstanten:

Ärgern wir uns zunächst über letztere: Auch drei Jahre später gilt der damals geschriebene Satz: „Es gibt [sic. in Steilshoop] keine kommerzielle Infrastruktur, große Teile der Siedlung sind vom sozialen Verfall bedroht, die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung tendieren gegen Null.“ Traurig stimmt, dass nicht einmal ein Versuch zu erkennen ist, wenigstens auf einem der Felder Abhilfe zu schaffen. Ja, es steht zu befürchten, dass durch die Mieterhöhungen der Vonovia für viele Menschen sich die soziale Situation noch einmal verschlechtern wird.

Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist zwar als Thema deutlich virulenter in Erscheinung getreten (s.u.), aber die Praxis sieht eigentlich genau so trostlos aus wie vor drei Jahren. Formal gesehen – obwohl RISE-Gebiet – gab und gibt es in Steilshoop kein größeres Projekt, bei dem Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils mitarbeiten konnten. Die Gründe dafür sind im Vorgängerartikel dargelegt.

Nach wie vor z.B. werkeln die Institutionen, welche in das Quartierszentrum einziehen sollen, so ziemlich im Verborgenem vor sich hin; spärliche Informationen bekommt man eigentlich nur aus den Kreisen, welche Presseagenturen als wohlinformiert kennzeichnen würden. Komplette Ignoranz gegenüber den Beteiligungsgremien ist seitens der Schulen zu verzeichnen.

Unter diesem Aspekt – aber nur unter diesem – ist das Verhalten der Hochbahn schon fast eine löbliche Ausnahme. Zum einen hat sie an allen zentralen Gabelungen der Planung umfangreich informiert, zum anderen hatten Stadtteilvertreter auch zahlreiche Möglichkeiten, mit den Verantwortlichen zu sprechen. Zwar hat es kein befriedigendes Ergebnis für die aus Bramfelder und Steilshooper Sicht eigenartige Streckenführung der U 5 gegeben, aber es sind durchaus einige Anregungen zur Verbesserung des Busverkehrs aufgenommen worden.

Die Definition des Begriffes „Beteiligung“ ist zwischen den für die Projekte Verantwortlichen und den Aktiven in Steilshoop auch nach weiteren drei Jahren nicht geklärt. Während die diversen Verwaltungen – und ihnen in der Regel folgend die Politik – einen Informationsabend oder einen Workshop mit vorformulierten Ergebnissen für ausreichend halten, steht man in Steilshoop auf dem Standpunkt, dass komplexere Problematiken in einem dialogischem Prozess geklärt werden müssen, der eben auch Zeiten des Nachdenkens und der Meinungsbildung benötigt.

Ein Paradebeispiel dafür ist die beabsichtigte Bebauung des Nordrandes von Steilshoop. Hier sind das Bezirksamt und die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) der Ansicht, dass ein im Jahr 2013 stattgefundener Workshop, dessen Ergebnisse zudem noch in dem Abschlussbericht nur sehr partiell wieder gegeben worden sind, als Beteiligungsverfahren ausreichend gewesen sei.

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