ERÖFFNUNG Unverpacktladen der neuen Produktionsschule “im Quartier” in Steilshoop

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

die nicht mehr ganz so jungen unter Ihnen werden sich sicher noch daran erinnern, wie sie mit einer Einkaufstasche zu dem „Kolonialwarenhändler“ gleich um die Ecke geschickt worden sind, um ein Pfund Mehl, eine Tüte Makkaroni, Salmis oder 100g Tee zu besorgen. War es ein größerer Einkauf, so hat Mutter uns einen Zettel mit gegeben, welcher von dem Kaufmann gewissenhaft abgearbeitet wurde. Jeder von uns, der vor Ende der 60er Jahre, also bevor die Supermarktketten den Einzelhandel dominierten, das Stadium der beschränkten Geschäftsfähigkeit erreicht hat, kann sicher unterhaltsame Geschichten von seinen ersten Einkaufserlebnissen erzählen.

Die Produktionsschule Steilshoop der Alraune gGmbH wird künftig den Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils nicht nur die Möglichkeit geben, in Nostalgie zu schwelgen, sondern mit dem Unverpackt-Laden „eco-friendly“ eine moderne und ökologische Alternative zu dem Müllberge produzierendem Einzelhandel bieten.

Gleichzeitig werden unsere Schülerinnen und Schülern mit den Abläufen im Einzelhandel beginnend mit der Ladeneinrichtung über die Zusammenstellung des Sortiments, der Präsentation, der Preisgestaltung und der Warenbestellung bis zur Kassenabrechnung vertraut gemacht.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie am Freitag begrüßen dürfen, um mit Ihnen dies neue Angebot in und für Steilshoop einzuweihen.

Unsere Betriebsleiterin Mariana Martins-Fernandes und ich stehen Ihnen dort gerne für Fragen zur Verfügung und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Vergessen Sie aber bitte nicht, eine Einkaufstasche oder deren neuzeitlichen Nachfolger mitzubringen. Auch diverse Dosen oder Tütchen könnten sich als nützlich erweisen, denn eines gibt es in unserem schönen Laden nicht: Verpackungsmaterial.

Es freuen sich auf Ihren Besuch

Mariana Martins und Petra Lafferentz mit Team

Im Salon: 1800 – Die größte Energiekrise der Menschheit!

– Oder warum unsere Wälder so langweilig sind.

Vortragsankündigung Dr. Martin Kersting im Rahmen des Salon de Steils

Casmille Corot. Reisigsammlerin am Fuß einer großen Eiche. 1872

Um das Jahr 1800 sah es so aus, als ob der Menschheit in Europa der gesamte Wohlstand, den sie sich seit der Völkerwanderungszeit erarbeitet hatte, verlustig gehen würde. Schuld hatten nicht die Revolutionäre in Frankreich oder Kaiser Napoleon, welcher in dieser Zeit den Kontinent mit seinen Kriegen überzog; sie waren eher das Ergebnis eines rund 800jährigen Wirtschaftens, das so gut wie gar keine Rücksicht auf die natürlichen Ressourcen nahm. Die riesigen nacheiszeitlichen Wälder sind zu nahezu zu 100 % in den Kohlemeilern gelandet, um dem metallverarbeitenden Handwerk und der Glasherstellerei den notwendigen Brennstoff zur Verfügung zu stellen. Nur im Hochgebirge und auf den unzugänglichen Gipfeln der Mittelgebirge gab es noch etwas Holz, um das sich auf Leben und Tod geführte Verteilungskämpfe abspielten. So konnten die Schwarzwälder Flößer ihre Stämme nur unter der Bewachung von bis zu 800 Holzknechten in die Niederlande bringen – und waren trotzdem nicht gefeit vor Überfällen entlang des Rheins. Vor allem aus Märchen und Volkssagen erfahren wir von der kaum glaublichen Brutalität, mit der die Feudalherren und ihre Amtswalter gegen Reisigsammlerinnen vorgehen. Leider enthalten diese Geschichten deutlich mehr als ein Körnchen Wahrheit.

Die sich im 18. Jahrhundert langsam entwickelnde Kameralistik – heute würden wir Volkswirtschaftslehre sagen – hat sich schon recht früh dieser Problematik angenommen. Es war der kursächsische Berghauptmann Carl von Carlowitz, der 1713 den heute in aller Munde geführten Begriff Nachhaltigkeit prägte. Zu seiner Zeit besagte er nichts anders, dass man mindestens so viel Bäume nachpflanzen muss, wie man in einem Forst schlug. Zunächst blieb er ein einsamer Rufer in der Wüste.

Mit dem bergbaumäßigen Abbau von Kohle im Ruhrgebiet, im Saarland und in Oberschlesien trat eine leichte Entspannung ein, so dass Carlowitz Forderungen auch verwirklicht werden konnten. Allerdings gab es kein Bedürfnis, ausgeglichene Mischwälder anzupflanzen, sondern man setzte ausschließlich auf Kiefern und Fichten in den Wäldern, welche den Rostocker Geologen Curd von Bülow schon 1928 dazu veranlasste, von Stangenäckern zu sprechen. Diese Monotonie prägt bis heute die Mehrzahl der Flächen, die wir als Wald bezeichnen.

Wie so häufig im Leben wurde der ideelle Wert des Waldes erst entdeckt, als es ihn nicht mehr gab. War er bis weit in die Neuzeit etwas Unheimliches (die Luft dort galt sogar als ungesund), allenfalls ein Wirtschaftsfaktor, so wurde er in der Romantik malerisch (Friedrich, Blechen, Carus) und poetisch (Eichendorff, Heine) in einer Weise überhöht, dass ein regelrechter Waldkult entstand.

In dem Vortrag soll der Versuch gemacht werden, sowohl den ideellen als auch den materiellen Aspekt des Waldes im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert zu beleuchten.

Dieses Mal nicht im JETZT, sondern im Quartierszentrum

Brauchen wir wirklich die Abrissbirne?

Bis vor wenigen Jahren bedeutete das Errichten eines Hauses Denken in Generationen. Sowohl private als auch öffentliche Bauherren haben sich über die Jahrhunderte hinweg bemüht, ihren Nachfahren Strukturen zu hinterlassen, welche sowohl dem öffentlichen als auch dem privaten Wohl dienen sollten.

Natürlich wechseln die Nutzungen jeweils nach den Bedürfnissen der Menschen: Ein Kaispeicher wird zur Konzerthalle, ein Bahnhof zum Rathaus, ein Kloster zum Irrenhaus oder Gefängnis und ein Wasserwerk zu einem Parlament.

Seit dem späten 20. Jahrhundert ändert sich diese Einstellung. Vor allem große Bauten werden oft als Abschreibungsobjekte betrachtet und nach vierzig oder fünfzig Jahren abgerissen, wie den Steilshoopern in der benachbarten City Nord drastisch vor Augen geführt wird. Als Begründung muss oft die beabsichtigte Energiewende herhalten. Tatsächlich sind Bauten, die vor der ersten Energiekrise 1973 geplant worden sind, regelrechte Fresserinnen von fossilen Brennstoffen. Allerdings wird so gut wie nie die Gegenrechnung nach dem Energiebedarf für Abriss und Neubau derartiger Gebäude aufgemacht. Zudem sind die Möglichkeiten der energetischen Nachrüstung heute so, dass sich Bauwerke aus den sechziger und siebziger Jahren in der Energienutzung kaum von modernen unterscheiden müssen (der Umbau natürlich auch unter erheblichem Einsatz von Energie).

In Steilshoop argumentiert man noch platter: Wichtige Baulichkeiten des Stadtteils müssen verschwinden, weil über deren Grundstücke ein Schulneubau finanziert werden soll. Nachdem der größere Teil des Bildungszentrums zu Betonstaub verarbeitet worden ist, könnten schon im Herbst des nächsten Jahres die Bagger anrücken, um dem traurigen Rest der vormaligen Gesamtschule und dem längst nicht so traurigem Rest der Schule am Borchertring (für die Älteren: die Schule Seeredder) das gleiche Schicksal zu bereiten.

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Sanieren oder Verkaufen

Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel hat seinen Ankündigungen bei der SPD-Veranstaltung “Bleiben wir im Gespräch” am 14. August im BRAKULA Taten folgen lassen: Er hat den Eigentümer des Einkaufszentrums, Herrn Henrik Nygaard Johansen, aufgefordert, seine Immobilie entsprechend der grundgesetzlichen Sozialbindung des Eigentums zu entwickeln, d.h. eine tragfähige und die Lage des Sozialraums berücksichtigende Perspektive zu entwickeln. Gleichzeitig hat er Unterstützung bei der Suche nach einem Käufer angeboten. Sanieren oder Verkaufen lautet die Forderung.

Es ist nun an uns allen in Steilshoop, jede Gelegenheit dafür zu nutzen, den breiten Protest gegen die Verwahrlosung unseres “Zentrums” und seiner darauf befindlichen Wohnungen zu bündeln!

KoKo und Stadtteilbeirat sollten im Rahmen eines “Runden Tisches Einkaufszentrum” Aktionen und Pressearbeit verstärken. Sollte der Eigentümer weder verkaufen noch in seine Immobilie investieren, sollten wir seine Enteignung fordern.

Von Merle Wilke und Petra Lafferentz

Koko fordert den Erhalt der Schule am Borchertring

Tagesordnungspunkt Rahmenplanung Nord.
Aus dem Protokoll der Koordinierungskonferenz vom 20. August 2018.

In einem Impulsreferat warf Egmond Tenten einen Rückblick auf die Rahmenplanung Nord. Dazu habe ein Workshop im Jahre 2013 stattgefunden, welche eine recht gelenkte Veranstaltung gewesen sei. Es habe zur ausschließlichen Wohnbebauung keine Alternativen gegeben. Deswegen seien nun einige Forderungen zu antizipieren. Vor allem die Schule am Borchertring könnte einer Nachnutzung zugeführt werden. Die Ausgangslage sei schon deswegen verändert, weil es eine Forderung der Bezirksversammlung gebe, Formen des gemeinschaftlichen Wohnens zu verwirklichen. Der Referent habe dazu ein schriftliches Statement an den Finanzsenator Andreas Dressel und die Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek Anja Quast eingereicht.

Tenten erläuterte eine mögliche Nachnutzung der Schule anhand zweier Mind-Maps. Zum einen gäbe es auch die von der Bezirksversammlung geforderte Möglichkeit des gemeinschaftlichen Wohnens, wobei sowohl die Basis als auch die Spitze der Alterspyramide eine besondere Berücksichtigung finden könnte: Studierende und Auszubildende sowie Senioren. Vorstellbar seien auch Räume für gewerbliche Nutzung sowie Gemeinschaftsräume. In einem oder mehreren Gästezimmern könnten Menschen ausprobieren, ob diese Form des Wohnens für sie in Frage kommen könnte.

Einen direkten Bezug zum Stadtteil stellte die zweite Mind-Map her: Sie präsentierte die mögliche Nutzung des Schulgebäudes für den Gemeinbedarf: Offene Räume, Ausstellungsfläche, Bibliothek, Geschichtswerkstatt, Atelier, Stadtteilwerkstatt / Selbstlernzentrum, Bühne, Seminarräume, Gemeinschaftsgarten, Sportstätte …

Wie schon in dem Statement an Dressel und Quast (s.o.) geäußert soll ein zu gründender Verein sich um die Verwirklichung dieser Ziele kümmern. Seine Schwerpunkte seien Bildung, Kultur, Sport.

In der anschließenden Diskussion wurde gefordert, dass sich die Koko dafür einsetze, die von Tenten genannten Nachnutzungsmöglichkeiten des Schulgebäudes in den Wettbewerb mit einzubringen. Allerdings gebe es große Unsicherheiten über die formalen Zuständigkeiten (Bezirk, Landesbetriebe der Finanzbehörde). Der Sprecher der Koordinierungskonferenz wird versuchen, über befreundete Abgeordnete und gegebenenfalls über die Anregung einer kleinen Anfrage den Nebel etwas zu lichten.

Einige Teilnehmer forderten eine echte Bürgerbeteiligung.

Der vorgelegte Vorschlag einer Resolution konnte auf der Sitzung nicht abschließend behandelt werden, weil er den Vertrag der Behörde für Schule und Berufsbildung, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Finanzbehörde, der Behörde für Soziales und Familie sowie des Bezirksamtes Wandsbek vom 30. April 2013 nicht berücksichtigt hat. In diesem legen die beteiligten Behörden noch einmal deutlich fest, dass ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb statt zu finden habe.

Eine Arbeitsgruppe hat den Entwurf zwischenzeitlich überarbeitet. Die Resolution wird in den nächsten Tagen an die beteiligten Behörden sowie die damit befassten Abgeordneten versandt werden.

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