Im Salon: Mein Lieblingsbild

Liebe Steilshooperinnen und Steilshooper, liebe Freundinnen und Freunde des Salon de Steils,

Mitmachveranstaltungen haben im JETZT Tradition – und eigentlich auch immer viel Spaß gemacht.

Nachdem wir uns bisher überwiegend der Literatur gewidmet haben, steht nun die bildende Kunst auf dem Programm.

Jeder darf sein Lieblingsbild vorstellen und sollte dabei den anderen erzählen, warum er gerade das Werk so toll findet.

Erlaubt ist alles, was man irgendwie als Bild bezeichnen kann. Die Malereien aus Altamira und Lascaux sind ebenso willkommen wie die des „Kapitalistischen Realismus“ (und alle anderen, welche dazwischen liegen).

Natürlich kann man auch sein Lieblingsbild mitbringen. Wenn es sich aber zufällig um Rembrandts „Nachtwache“ oder Leonardos „Mona Lisa“ handelt, dürfte das nicht ganz einfach sein. Dann empfiehlt es sich, eine Abbildung entweder auf einen USB-Stick zu ziehen und ihn am Abend mitzubringen oder einige Tage vorher als Anhang einer Mail an  m.kersting@alraune-hamburg.de zu senden.

Im Salon: Make love not war

Ich möchte über ein in der Renaissance und im Barock beliebtes Bildmotiv sprechen: Mars und Venus, wobei der Kriegsgott meist schlafend dargestellt wird und Putten, Eroten oder Satyrkinder seine Waffen und Rüstung als Spielzeug missbrauchen.

Den meisten von uns erscheinen diese Szenen äußerst sympathisch. Was gibt es Besseres als den grimmigen Gott des Krieges durch die Liebe außer Gefecht zu setzen?

Allerdings habe ich erhebliche Zweifel, ob diese Interpretation von Künstlern aus dem Florenz der Medici wie Sandro Botticelli oder Piero di Cosimo, einem Amsterdamer Bürger des „golden euw“ wie Ferdinand Bol geteilt worden wäre. Wollen Sie nicht vielleicht eher vor dem dem durch die Liebe vor allem dem Manne drohenden Kontrollverlust warnen? Vor allem Botticelli und Piero di Cosimo haben eine Reihe von dahingehenden Hinweisen in ihren Bildern untergebracht.

Wenn die Bilder auch vor rund 500 Jahren keineswegs so gemeint waren, so dürfen wir sie heute durchaus unter das alte Hippie-Motto setzen: Make love, not War!

Martin Kersting

Im Salon: Kunstformen der Natur

Ernst Haeckel und sein biologisches Weltbild.

Ein Vortrag von Dr. Martin Kersting

Fast einhundert Jahre nach seinem Tod ist die Kontroverse um den Mediziner, Zoologen, Philosoph und Freidenker Ernst Haeckel nicht beendet. Es steht außer Frage, dass er ein wichtiger Stichwortgeber für die nationalsozialistische Eugenik und Rassenhygiene war.

Unbestritten ist sein Verdienst um die Durchsetzung der Darwinschen Lehre in Deutschland und um die Einbindung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Philosophie. In den „Welträthseln“ von 1899 entwirft er den als philosophische Strömung in dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts bedeutsamen Monismus, die Einheit von Materie und Geist, welcher die Natur als das einzige dominierende Element auch in der Psyche und des Zusammenlebens der Menschen manifestierte. Seine Anhänger fanden sich 1906 im „Deutschen Monistenbund“ zusammen.

In nahezu jedem liberalen Haushalt im wilhelminischen Deutschland fand sich Haeckels Buch „Kunstformen der Natur“ (1899-1904), in welchem er darstellt, dass alle unsere Vorstellungen einer Ästhetik schon in den lebenden Organismen vorgebildet seien. Ausgestattet mit 100 sehr aufwendig gedruckten lithographischen Tafeln vermittelte es seinen Zeitgenossen einen damals völlig neuen Blick auf die Natur.

Haeckels Anhänger Raoul Heinrich Francé spitzte Haeckels Ansatz dahingehend zu, dass er die Ästhetik zu einer Triebfeder der Evolution erklärte. Wenn etwa für das Aussterben der Dinosaurier deren hässlichen Proportionen verantwortlich gemacht werden, empfinden wir das heute doch eher belustigend. Im frühen 20. Jahrhundert jedoch fanden solche Thesen große Zustimmung.

Der Vortrag möchte einen Blick auf die „Kunstformen der Natur“ werfen und die Bedeutung des Haeckelschen Monismus in der gesellschaftlichen Debatte des wilhelminischen Deutschlands untersuchen.

Lebensalter – Die Einteilung eines Menschenlebens in Vergangenheit und Gegenwart

 

Es gibt schon eigenartige Gründe, sich mit einem Thema zu beschäftigen – und dann gar noch einen Vortrag daraus zu machen. Die Quelle meiner Inspiration war der Stadtteilbeirat. Dort zeigte ein junger (genau hier fängt die Problematik an) Mann sich hochgradig unerfreut, dass das Gremium seinen Vorschlag, eine Veranstaltung für die Jugend zu machen, nicht mit der von ihm erhofften Begeisterung aufgenommen hat. Seine etwas erzürnte Schlussfrage lautete, wer von den Anwesenden unter 37 sei. Es ist sicher keine Überinterpretation seiner Frage, dass dieses Alter nach der Ansicht des jungen Mannes noch zur Jugend zu rechnen sei.

Er hat insofern recht, dass er aufgrund seines noch nicht allzu weit fortgeschrittenen Alters nicht die ganze Palette der Berufsangebote in der Bundesrepublik Deutschland wahrnehmen kann. So muss er noch etwa drei Jahre warten, bis er sich um das Amt des Bundespräsidenten bewerben kann.

Trotzdem gab es nach der Stadtteilbeiratssitzung Gespräche, die sich darum drehten, wann wir – alle über 37 – aufgehört haben, uns als Jugend zu sehen. Einhellige Meinung: Deutlich früher.

Für mich war das Anlass, mich schlau zu machen, wie das vorhergehende Generationen gesehen haben. Wie es so oft passiert: Man sucht die Antwort auf eine Frage – und erhält Antworten auf Fragen, auf die man gar nicht gekommen ist: Für mich war es eine große Überraschung, dass zwar in der bildenden Kunst die Lebensalter im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine ganz zentrale Rolle spielen, dass aber die einzelnen Generationen nicht oder kaum durch kulturelle Schranken separiert waren. Von einer eigenständigen „Jugendkultur“ kann man frühestens mit dem Aufkommen der Wandervogelbewegung im ganz späten 19. Jahrhundert sprechen.

Dieser Befund macht es notwendig, sich auch Gedanken über die Ursachen dieser so einschneidenden kulturellen und gesellschaftlichen Veränderung zu machen. Spielt der demographische Wandel eine Rolle? Wie weit wirken sich die verlängerten Ausbildungszeiten aus? Sind die Medien daran beteiligt?

Ich muss gestehen, dass ich hier noch ganz am Anfang meiner Überlegungen stehe, bin aber guten Mutes, dass ich bis zum 11. Juni in meinem Vortrag wenigstens die ein oder andere Hypothese zur These ausbauen kann.

Dr. Martin Kersting

1 2 3 5