Hiltrud Jacobi ist verstorben

 Am 3. November 2018 ist Hiltrud Jacobi nach langer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben. 
Aus der Trauermitteilung von ver.di
Hillie war eine durch und durch überzeugte Gewerkschafterin. Mit viel Engagement und Überzeugung stritt sie für die gemeinsame Sache. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit schien in ihr immer wieder neue Energie freizusetzen. Sie engagierte sich neben der Arbeit in Vorständen und Betriebsräten auch aktiv für die Rechte der Frauen innerhalb und außerhalb unserer Bewegung.
Das Studium brachte sie damals hoch in den Norden nach Hamburg. Hier jobbte sie anfangs im Postamt 3, Hühnerposten, um ihr Studium zu finanzieren. Danach wechselte sie in die Oberpostdirektion und wurde Mitarbeiterin beim örtlichen Personalrat. Zum Schluss war sie im Bereich der beruflichen Bildung tätig, in der sie auch mit sehr viel Engagement und Herzblut ihre Aufgaben wahrnahm.
Die schwere Krankheit zwang sie dann jedoch vorzeitig in den Ruhestand. Hillie war immer eine große Kämpferin. Bis zum Schluss hat sie nicht aufgegeben gegen einen übermächtigen Feind, getreu ihrem Motto: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat bereits verloren“. Dieses Credo hielt sie bis zum Schluss tapfer aufrecht.

Steilshooper Mythen oder wie funktioniert ein Stereotyp? [Teil 4]

Vor rund 10 Jahren habe ich den folgenden Text als Vortrag im AGDAZ gehalten. Nach Teil 1 und Teil 2 sowie Teil 3 folgt heute der 4. und letzte Teil.

Da Steilshoop schon in einer frühen Phase als sozialer Brennpunkt 1 beschrieben wurde, und dieser Ausdruck durchgehend als Stereotyp für die Großsiedlung im Allgemeinen und Steishoop im Besonderen verwandt wurde, heftete man auch gleichzeitig den Bewohnern ein Stigma an, mit dem sie bis auf den heutigen Tag leben müssen.

Stereotyp ist nicht ganz einfach zu definieren, weil psychologische Aspekte eine wichtigere Rolle als sprachlich-rhetorische spielen. Weiterlesen

TEE am SEE??? Oh ja!!!

Tee am Bramfelder See an einem wunderbar warmen Frühherbst-Sonntag.

Alles wurde aus dem tollen blauen Planwagen gezaubert: Sitzgelegenheiten, schöne Teeschalten, Teekannen mit frisch aufgebrühtem schwarzen Tee; ausgezeichnete, zum Thema passende Bilder wurden aufgehängt und erfreuten Menschen schon beim Herankommen.

Mit zum Tee eingeladenen Spaziergängern wurde geplaudert: über den Stadtteil, aber insbesondere über den zu befürchtenden Abriss der Schule am Borchertring. Dieser Aussage folgte in der Regel großes Erstaunen: „Abriss?? Wieso? Warum? Schule und Turnhalle sind doch in Ordnung. Fällt dort alles zusammen und wir wissen es nicht?“

Unsere Erklärung, dass eine Schule, die bautechnisch gesehen in Ordnung ist, aber laut städtischer Planung hoher Wohnbebauung weichen soll, empörte so machen Spaziergänger. Wir stellten diesen dann unser Projekt vor: ein neu gegründeter Verein zum Erhalt und der Nachnutzung der Schule am Borchertring, kurz VENS, macht sich dafür stark, die vorhandenen Räumlichkeiten einer neuen Nutzung zuzuführen: Räume für Kunst, für Ausstellungen, für Musik, für Theaterprojekte, für Sport, für Veranstaltungen. Es entstünde eine Begegnungsstätte für Steilshooper, die durch vielseitige Nutzung, dem an solchen Projekten armen Stadtteil nur gut tun kann und dringend notwendig ist. Denn was es nur gibt, sind massenhaft Betreuungsstätten, Betüddelungsbevormundung; davon gibt es sogar zu viel und schluckt nur unsinnig das Geld der Steuerzahler. Und vielleicht klappt es ja auch mit einem kleinen Café am See …

Und die Klassenräume können ziemlich problemlos mit wenig finanziellem Aufwand in günstige Mietwohnungen gewandelt werden: für Studenten, für Azubis, für ältere Menschen, für Familien. An eine separate Küche für spontane Kochkünste der Bewohner ist gedacht, an Freiflächen fürs Gärtnern, ob Blumen, Pflanzen oder Küchenkräuter – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Die Spaziergänger waren von den unterbreiteten Zielen des Vereins angetan, wollten mehr Information (die sie auch bekommen) und ein großer Teil sagte ihre Unterstützung zu.

Es war viel Aufwand, jedoch mit Spaß und Freude veranstaltet und das Resümee des Tages: es hat sich gelohnt: für die Bewohner, für eine gute gemeinsame Zukunft im Norden Steilshoops.

Von bi

Steilshooper Mythen oder wie funktioniert ein Stereotyp? [Teil 3]

Vor rund 10 Jahren habe ich den folgenden Text als Vortrag im AGDAZ gehalten. Nach Teil 1 und Teil 2 folgt heute der 3. Teil.

Die gleiche Tendenz, nur etwas direkter und nicht ganz so hinterfotzig ein sechs Jahre jüngerer Artikel aus dem gleichen Blatt. Es geht um die Ghetto Rockaz, die tatsächlich in den neunziger Jahren eine ausgesprochen unerfreuliche Erscheinung im Stadtteil waren. Die Definition der Gang nach BILD: „Das ist eine Bande von 40, 50 Jungen. Diese 13 bis 21jährigen Türken, Afrikaner und Osteuropäer sind ja stadtbekannt durch ihre Gewalt. Sie treffen sich jeden Tag am Haus der Jugend.“1 Zwei auch aus dem anderen BILD-Text bekannte Gegner werden auf einmal abgefrühstückt. Ausländer und die öffentliche Institution Haus der Jugend. Wie beim „Abendblatt“ auch wird eine Unmasse von Zeugen benannt und so der Eindruck einer seriösen Recherche vermittelt. Die Namen der Gewährsleute verdeutlichen, dass es sich um einen Krieg der Nationalitäten oder gar Rassen handeln soll: Jan, Jens, Norbert, Susanne, Martin, Andreas, Bernd … vertreten das Ariertum, während der einzige namentlich genannte Gegner einen türkischen Namen trägt. Auch in diesem Opus gibt es das Element, das jeden modernen Krieg kennzeichnet: Flucht und Vertreibung: „Für uns steht fest, daß wir hier so schnell wie möglich wieder wegziehen!“ Weiterlesen

1 2 3 4 21