Sag mir wo die Einkaufswagen sind? Wo sind sie gebliehiben?

„Dornröschenschloß“. Das EKZ schläft den Schlaf der von Konsumwünschen befreiten Seele, ein Ort für märchenhafte Vorstellungen und tiefe Träume. Wer küßt Dornröschen wach? Steilshoop sucht den Superprinz

IKON. Über den Zustand des „Einkaufszentrums“ Steilshoop ist viel gesagt worden. Mehr Geschäfte, mehr Dienstleister, mehr Angebote wird am häufigsten genannt.

Seltener hört man Lob, dabei ist es sauber, warm und hält Aufenthaltsqualität vor. Das ist viel in einem Stadtteil ohne soziale Treffpunkte, wenn man von den Alraunecafes absieht. Auch ein Sicherheitsdienst ist bei Delinquenz oder unpassendem Verhalten zu Stelle und patrouilliert dort regelmäßig. Nun könnte man spitz anführen: „Nun ja, so besonders viel gibt es dort wirklich nicht zu klauen“, aber der letzte Discounter sieht das anders. Regelmäßig bilden sich dort Schlangen, weil Einkaufswagen fehlen, bzw. gestohlen werden. Nun gibt es kleine Rollwägelchen – im Hackenporschelook – die im Inneren verbleiben müssen, weil sie sonst Signaltöne ausstoßen. Darüber hinaus wecken sie keine monetären Begehrlichkeiten, weil sie ohne Münzpfand genutzt werden können. Der Vorteil: mein letzter Einkauf fiel deutlich geringer aus, denn das kleine Ding ist auch etwas unkomfortabel – 30 mal bücken vor das Kasse – hält die materielle Gier in Zaum. Eigentlich praktisch, oder?!

Aber an wen soll man diese freudige Erkenntnis nun weitergeben? Es müßte schon jemand sein, der bei Ortsnennung nicht sofort abwinkt und schnell davon läuft. Tatsächlich gibt es eine standhafte Person, die mittlerweile zur Institution geworden ist. Mariana Martins betreibt das „offene Atelier“ im 1. Stock und hat zu gewissen Zeiten geöffnet. Man kann Bilder betrachten, Kindermalkurse besuchen, Adventswaffeln naschen und die Seele baumeln lassen. Allerdings gerät auch die verständnisvollste Person ins Ungleichgewicht, wenn nur Negatives auf sie einprasselt. Deswegen gibt es jetzt ein Besucherbuch, in das Menschen ihre Wünsche, Anregungen und Kritik einschreiben können. Früher kannte man das als „betriebliches Vorschlagwesen“ und ungefähr so ist das hier auch gemeint. Wie und auf welchem Weg sollen nun Verbesserungen in die Wege geleitet werden?

Das Besucherbuch liegt auf einem runden Tisch und das hat auch programmatische Bedeutung, denn verbessern kann man immer etwas, wie zum Beispiel die eigenen Dänischkenntnisse im Multikultistadtteil. „Vi skal tale med hr.“ heißt zum Beispiel „Wir müssen reden, mein Herr“.