Über das FORUM

Hauskletteraktion-2009Wer sind wir eigentlich?

Diese Frage stellte sich wahrscheinlich schon Homo erectus – und viele gescheite Antworten sind in den vergangenen zwei Millionen Jahren nicht heraus gekommen. Das hält uns aber nicht im Mindestens davon ab, auch unseren Senf auf die Debatte zu diesem menschheitsbewegenden Problem zu klatschen.

Eigentlich ist mit dem vorgehenden Satz auch die Frage schon beantwortet. Wir sind Steilshooperinnen und Steilshooper, die sich einmischen wollen, egal, ob uns die Sache etwas angeht, egal, ob wir die notwendige Kompetenz haben, egal, ob wir dieser oder jener Mehrheit oder Minderheit auf die Füße treten, vor allem aber egal, ob wir irgendjemanden repräsentieren, von dem wir beschlossen haben, dass er nicht für sich selbst sprechen kann. Wir sind also subjektiv, einseitig und politisch inkorrekt.

Wir haben uns zusammen gefunden, weil wir mit der Entwicklung unseres Stadtteils in den letzten Jahren äußerst unzufrieden sind. Noch mehr stört uns aber die Art und Weise, wie diese Entwicklung zu Stande gekommen ist: Vorgaben aus dem Senat, dem Bezirk, der Politik, der Wohnungswirtschaft werden Pseudobeteiligungsverfahren unterzogen, um dann zum Willen des Stadtteils erklärt zu werden. Parteienvertreter und Repräsentanten der in Steilshoop engagierten Institutionen schwenken dann ihre Weihrauchtöpfchen und brandmarken jegliche Kritik als Ketzertum – Entschuldigung, als undemokratisch, aber die Dominanz der Religion im Stadtteilbeirat lässt schon manchmal die Begrifflichkeit etwas durcheinander geraten.

Damit kann man ja zur Not leben. Wir sind alle in einem Alter, wo wir die Erfahrung verinnerlicht haben, dass Demokratie zur Fiktion wird, wenn sie auf die Praxis trifft. Unerträglich allerdings ist die Kombination undemokratisch und langweilig. Wahrscheinlich jedoch sind beide Adjektive Synonyme – oder zumindest zwei Seiten derselben Medaille. Nichts langweilt auf Dauer mehr, wenn man sich gar nicht in politische Prozesse einbringen kann, sondern nur als Claqueur missbraucht wird – und umgekehrt kaum etwas ist so undemokratisch wie die Knebelung der Phantasie und der Kreativität durch Langeweile; denn dann schlägt die Stunde des Bürokraten, welcher unter den (wechselnden) Fähnchen Haushaltskonsolidierung, Realpolitik, Sachzwänge, Gesamtgemeinwohl … öde Plätze gestaltet, Räume für Bürger nieder reißt oder ästhetisch ansprechende Schulneubauten so runter bricht, dass doch wieder ein 08/15-Architekturklotz entsteht.

Wir müssen leider gestehen, dass wir uns in den letzten Jahren nur auf ein paar Akzente einer Gegenkultur beschränkt haben: Der Kulturbahnhof U-Bahn Steilshoop, die Steilshooper Vortragstage, der ein oder andere Vortrag im Salon de Steils – aber wir hätten mehr machen und besser sein können.

Richtig beflügelt hat uns Kahlschlag stoppen, das recht erfolgreiche Bürgerbegehren zu den Bäumen im Zentrum. Wir haben da gelernt, dass die Tristesse und Frustration im Stadtteil mitnichten die von interessierter Seite immer wieder beschworenen Dimensionen angenommen haben: Nein, man ist in Steilshoop lebendig – und den lebendigen Steilshooper wollen wir auf „Forum Steilshoop“ zu Wort kommen lassen – und Leben bedeutet Zorn und Wut, Freude und Spaß, Sarkasmus und Ironie, Kunst und Kultur, aber auf gar keinen Fall Langeweile!

Ein zu anspruchsvolles Programm? Sicher nicht ganz einfach, aber wir hoffen mit unserer Seite auch diejenigen zur Mitarbeit bewegen zu können, die einfach einmal schauen wollen, ob links und rechts der ausgefahrenen Wege nicht noch ein hübsches kleines Blümchen steht, das nicht gepflückt werden, sondern den labenden Nektar der Kreativität und der Phantasie spenden will.

Die Redaktion:

Peter Dreller , Hermann Güldner, Martin Kersting, Mariana Fernandes Martins, Egmond Tenten, Klaus Dieter Wachs, Sylvia Wachs

Die Namen der GastautorInnen sind der Redaktion bekannt.