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Antike Mythologie im barocken Gewand

11. April, Beginn 19:00

kostenlos

Die Reformation stürzte weniger die Kunst, wohl aber zahlreiche Künstler in eine tiefe Krise. Im Hoch- und Spätmittelalter sicherten ihnen die Unmassen von Heiligenbildern und Marienleben, welche sie im Auftrag der Kirche malten, ein relativ sicheres Einkommen. Schon 1520 rief der Wittenberger Reformator Andreas Bodenstein von Karlstadt zum Bildersturm auf, indem er Bilder als dem ersten Gebot Moses widersprechend und als Götzendienst ansah. Während Luther Bilder noch „zum ansehen, zum zeugnis, zum gedechtnis, zum zeychen“ geeignet fand, folgte der Züricher Reformator Huldrich Zwingli Karlstadts Vorstellungen, die dann von Calvin auf die Spitze getrieben wurden, indem dieser feststellte, dass der Mensch durch den Sündenfall jegliche Ähnlichkeit mit Gott verloren habe und ein Abbild von ihm sei ein Abbild des Teufels.

Auch bei papsttreuen Theologen ist eine zunehmende Distanz zum Bild – besonders zum Heiligenbild – feststellbar. Hieronymus Emser etwa appelliert an die Stifter, das Geld besser für die Armen statt für kostbare Gemälde auszugeben.

So blieb den Künstlern auch in den katholisch und lutherisch geprägten Gebieten keine andere Wahl als sich neue thematische Felder zu suchen. Die Bibel – und hier besonders das Alte Testament – bekommt nun eine Rolle wie sie in vorhergehenden 1500 Jahre Christentum niemals eingenommen hat. Noch wichtiger aber wird die antike Mythologie. Die humanistischen Philologen hatten kurz vor der Reformation die wichtigsten Quellen (z.B. Homer, Ovid, Vergil) in guten Editionen zur Verfügung gestellt, die ersten Ansätze einer wissenschaftlichen Archäologie sind zu verzeichnen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickeln sich die Ansätze des Absolutismus, in dem sich die Herrscher aufgrund ihrer Machtvollkommenheit und Machtfülle gerne in die Nähe der antiken Götter rückte. So mancher Herkules in den Schlössern der deutschen Duodezfürstentümer verweist auf den regierenden Fürsten.

Der Vortrag von Dr. Martin Kersting möchte auf die ideologischen Zusammenhänge zwischen absolutistischer Herrschaft und barocker Antikenrezeption aufmerksam machen.

Details

Datum:
11. April
Zeit:
19:00
Eintritt:
kostenlos
Veranstaltungkategorie:

Veranstalter

Salon de Steils – Eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Kultur zur Förderung des Vortragswesens in Steilshoop

Veranstaltungsort

Kulturtreff JETZT
Gründgensstraße 22
Hamburg, 22309
Website:
http://www.alraune-hamburg.de/pages/betriebe/kulturtreff-jetzt.php

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