Zum Tode von Rolf Danilow – zwei Nachrufe

Rolf Danilow

 Er war ein Steilshooper Original  – wenn dieser Begriff auf jemanden zutrifft, der sich ganz und ausschließlich mit Steilshoop identifizierte, dann sicher er. Wir lernten uns kennen, als ich bei einer Koordinierungskonferenz für ein Ausstellungsprojekt um Unterstützung bat. Nach der Sitzung sprach er mich an „wir brauchen Leute wie Sie“, sagte er zu meiner Überraschung „ Leute die sich engagieren und Kunst hier zeigen wollen“. Er machte mich sprachlos, denn seine Anrede war so zugewandt und unwahrscheinlich freundlich. Und genau so habe ich ihn durchgängig erlebt. Ohne Arg, ohne Hintergedanken, stets interessiert an Menschen, ihrer Kunst, Projekten und neuen Ideen. Er half mit, er stellte Kommunikation her und er lebte für den Stadtteil. Er machte z.B. Ausstellungen, eine mit Frau Börries-Pusback über die Historie des Stadtteils im Bildungszentrum.

Und er war der einzige Mensch, der das Einkaufszentrum liebte. Ja verrückt, egal in welchem Verfallsgrad das EKZ sich präsentierte,  immer fand er Worte um für Verständnis zu werben. Der marode Zustand tat ihm leid, aber er hatte die Erinnerung an bessere Zeiten und die Hoffnung, dass es bald wieder so sein würde. Ich glaube, dass sein Vater seinerzeit daran mitbaute und er u.a. dadurch eine tiefe Verbundenheit  empfand. Mich hat seine Unbeirrbarkeit diesbezüglich stets verwundert und immer gerührt. Gerne erzählte er  „Schnurren“ aus seinem Leben. Als er dies und jenes machte und diese und jene Funktion bekleidete. Manchmal empfand ich Diskrepanzen zwischen dem jetzt und dem von ihm erzählten, seinem früheren Leben. Ich habe kaum einen erwachsenen Menschen kennen gelernt, der ein so kindlich argloses Gemüt hatte. Er schien mir wie aus der Zeit gefallen, nicht in der Modernität angekommen. Seltsam ungepanzert. Die Welt, wie sie in der unfreundlichen Wirklichkeit ist, muss ihm sehr zugesetzt haben. Er hatte Verluste zu beklagen. Wohl auch den Tod seiner Frau, die ich nie kennen gelernt habe. Er mochte Kinder und hat sich für sie eingesetzt und er mochte dass sie spielen und die Welt erkunden. Er war in verschiedenen Vereinen tätig und kannte viele Menschen. Er kam zur Koko wie auch zum Stadtteilbeirat, war Planungsmitglied bei der 40-Jahre-Feier, wie auch in der Werbegruppe des EKZ. Und doch machte er auf mich auch den Eindruck eines einsamen Menschen, irgendwie verloren, unbehaust und auch traurig. Zuletzt war er sehr krank und ich traf ihn zwischen verschiedenen Krankenhausaufenthalten.  Er war ein seltsamer tapferer kleiner Mann, den ich vermissen werde.

Ikon

 De mortuis nil nisi bene  (Über die Toten nur das Gute). Das ist so ziemlich der dümmste Spruch, welchen sich unsere Altvordern ausgedacht haben. Ungerechter kann man einen Menschen nicht behandeln. Oft ist eine vermeintlich unerfreuliche oder gar schlechte Eigenschaft die eigentliche Stärke eines Menschen und eben das Gute.

Wenn ich über Rolf nachdenke, dann wird mir gerade seine Schwäche als Stärke bewusst: Er war anstrengend, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wenn er ein Ziel verfolgte. Immer wieder sprach er einen an, verwies auf seine Kompetenz und ließ sich nicht abschütteln. Oft hatte man keine Lust auf dieses Thema, viel zu häufig gab es keinen unpassenderen Augenblick – und man hatte nur ein Bedürfnis: Rolf los zu werden.

Man wusste allerdings auch: Rolf kommt wieder, Rolf lässt keine Ruhe, so lange bis man sich um die Angelegenheit gekümmert hat, in der er nicht weiter kam. Man hatte also gar keine andere Wahl, als die Dinge schnellstens in Angriff zu nehmen, einfach nur um seine Ruhe zu haben.

Und das war gut so: Bei einer durchaus vorhandenen Eitelkeit standen bei Rolf immer die Dinge im Mittelpunkt, die auch gut für Steilshoop waren. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Ausstellung mit älteren Fotografien des Stadtteils, die er gemeinsam mit der ebenfalls verstorbenen Bärbel Borries-Pusback anlässlich des vierzigjährigen Stadtteiljubiläums gestaltet hat. Alle Aktiven hier waren mit ihren Projekten ausgelastet und deshalb kaum noch in der Lage, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Und immer kam Rolf, der entweder Fahrdienste oder Rahmen brauchte, der unbedingt eine Pressemitteilung wünschte, in welcher auch die Ausstellung entsprechend gewürdigt werde. Entstanden ist dabei das nahezu einzige nachhaltige Projekt des Jubiläums. Erst in Frühjahr dieses Jahres haben wir – natürlich auf nachhaltiges Drängeln von Rolf – die Ausstellung in der Mensa abgebaut und die Objekte gesichert. Sie hätten wahrscheinlich dasselbe Schicksal gehabt wie die vielen anderen Erinnerungsstücke aus der „alten“ Schule.

Rolf, Du warst anstrengend – und dafür sind wir Dir dankbar. Ich werde, wenn mich einmal wieder die Lethargie und die Faulheit übermannt, an Dich denken und mir vorstellen, dass es sich um ein gemeinsames Projekt von handeln würde. Ich weiß, also, dass mich Deine Monita auch weiter verfolgen werden – und so wirst Du noch hoffentlich viele Jahre in unserer Mitte sein.

MarKe

Im Salon: Antijudaismus im Mittelalter

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am Mittwoch den 13. Juli 2016 um 19 Uhr im JETZT Gründgensstraße 22

Antijudaismus

 

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