Im Salon: Antijudaismus im Mittelalter

Vortrag von Dr. Martin Kersting

am Mittwoch den 13. Juli 2016 um 19 Uhr im JETZT Gründgensstraße 22

Antijudaismus

 

Der auf dem Plakat (hier als PDF) abgebildete Holzschnitt stammt aus dem „Judenspiegel“ (1509) des zum Christentum konvertierten Juden Johannes Pfefferkorn. Kaum ein mittelalterlicher Autor hat seine vormaligen Glaubensbrüder gnadenloser diffamiert als dieser Johannes Pfefferkorn.

Der Holzschnitt ist ein schönes Beispiel für seine Methode. Er stellt die jüdische Beschneidung der christlichen Taufe und der Kreuzesfrömmigkeit gegenüber. Die Christen unter dem Schutzmantel der Gottesmutter sind durch Taufe und Blut Christi auf dem Wege der Erlösung, während der Teufel die Juden über die Beschneidung in die Hölle führt.

Pfefferkorn vertritt zwar eine sehr extreme Position dem Judentum gegenüber, aber er gibt durchaus die Denkformen der Mehrheit der Theologen des späteren Mittelalters wieder. Allerdings wurde zu allen Zeiten nicht nur die Auswüchse des Antijudaismus bekämpft, sondern die Juden erfreuten sich bei vielen Denkern großer Hochachtung. Dem Kölner Konvertiten etwa tritt mit dem Humanisten Johannes Reuchlin ein intellektuell absolut überlegener Gegner entgegen.

Gerettet hat das die Juden nicht. Seit 1096, als im Kontext des ersten Kreuzzuges in Worms erstmalig eine ganze jüdische Gemeinde einer großen Stadt ausgerottet worden ist, jagt ein Progrom das nächste – das letzte 1519 in Regensburg -, so dass es im 16. Jahrhundert praktisch keine Juden mehr in dem Gebiete des Heiligen Römischen Reiches gibt.

Der Vortrag hat die Absicht, die ideologischen Wurzeln des Antijudaismus frei zu legen, und möchte ein paar Überlegungen anstellen, ob es eine rote Linie zum „modernen“ Antisemitismus gibt.

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