HID: Ohnmacht, Rückzug und Wahlverzicht?

An der KanteEs bleiben einige Fragen, auch wenn die Mittelachse in Steilshoop für einige jetzt schöner ist als vorher.

Ist die Ohnmacht von uns BürgerInnen gegenüber den Entscheidungen von Politikern und Interessenvertretern, privater Besitzer und Investoren das einzige Reaktionsmuster?

Es gibt Public Private Partnerships (PPP) bei der Autobahn A1 bei Bremen, bei einem Gefängnis in Rostock, bei der Katharinen-Schule in der Hafencity Bauherr: Otto Wulff PPP. Zukünftig vielleicht bei der Sanierung der verkehrspolitischen Altlasten der Bundesrepublik, die weder in der bleiernen Zeit unter Helmut Kohl, noch unter Schröder/Fischer angegangen wurden. Allesamt sind PPP für Investoren und die öffentliche Hand ein Anreiz. Die Gründe sind im Einzelfall sehr komplex und von uns BürgernInnen kaum zu durchschauen. Sind PPP aber auch ein Segen für das Gemeinwohl und die öffentlichen Räume? Kommt ihr vielbeschworener Nutzen auch langfristig billiger daher? Oder zahlen auch wir am Ende mehr als versprochen? (s.a. U-Bahnbau in London, da ging das Betreiberkonsortium 2007 Pleite und der Staat mußte für alles weitere gerade stehen.)

Wenn aber bei uns vor der Haustür so ein Superlativprojekt (“europaweit einzigartig ” siehe Anhang) angekurbelt und durchgeführt wird, ist ein genauer Blick erlaubt. Jahrelang konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Pflege von Gehwegen und der Bepflanzung nicht so ganz im Mittelpunkt standen, einige sprachen sogar von bewußter Verwahrlosung. Dabei hätte man vermutlich mit kleinem Geld effektiver einen schöneren Vorgarten, nicht nur in der Mittelachse, haben können. Aber das ist bereits Vergangenheit.

Auf unserer Mittelachse wurde jetzt, seit schnellen 8 Monaten, so ein Niederschlag einer öffentlich/privaten Partnerschaft ausgebreitet (Trotz Bürger-Initiative gegen unnötiges Baumfällen im Marktplatzbereich). Offiziell erfolgreich abgeschlossen am Freitag, den 24. Juni 2016, bei unseren, mittlerweile durch Baumfällung, sehr sonnigen Schachfeldern. Für Schatten sorgte der Veranstalter mit Zelten, welche nach Veranstaltungsende wieder mitgenommen wurden. Wie finden wir das?

Fragen:

1. Ist die intensive Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich angestrebt worden und wurde sie auch angenommen? Welche Zettel an der Pinnwand konnten von Pro Quartier oder anderen Beteiligten nicht berücksichtigt werden?

Zettel der Bürgerinnen

Ideensammlung und Brainstorming mit Anwohnern im Erich-Ziegel-Ring

2. Ist die PPP, bei uns der Housing Improvement District (HID), wirklich zum Nutzen der BewohnerInnen? Wie sind die ca. 7 Mio. Euro zwischen Kapitalgebern und Empfängern unter zu Hilfenahme öffentlicher Fördermittel dem Stadtteil zugute gekommen?

3. Ist die, wie eine Monstranz vor sich her getragene „größte Herausforderung“, „nämlich die Berücksichtigung der vielfältigen Interessen der Steilshooper Bürgerinnen“ (Dr. Binger, Otto Wulff, BID Gesellschaft mbH) wirklich zur Zufriedenheit von uns Steilshoopern bewältigt worden?

Kommentierungen erwünscht!

http://www.urban-improvement-districts.de

http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2007/05/16/a0103

Die Verantwortlichen der Mittelachsenumgestaltung kommen in einem Bericht im privaten Spartenkanal Hamburg1 zu Wort:

hamburg 1 Abschluss Steilshoop Mittelachse

Ein Raum für Bürgerinnen sollte mit ihnen zusammen umgestaltet werden, was denn sonst? DLF, Corso Interview vom 20.07.2016

Constanze A. Petrow und Leonard Grosch im Corso-Gespräch mit Anja Buchmann

http://www.deutschlandfunk.de/gestalter-des-berliner-parks-am-gleisdreieck.807.de.html?dram:article_id=360648

2 Kommentare

  • Martin Kersting

    Sicher bin ich nicht der objektivste Kommentator, wenn es um PPP geht. Für einen Sozialisten gibt es kaum ein röteres Tuch, andererseits stellt sich immer ein wohlig-warmes Gefühl ein, wenn auf einmal die Ideologie in so wunderbarer Weise mit der Wirklichkeit, mit dem echten Leben übereinstimmt. Unter diesem Aspekt war das HID ohne Zweifel ein phänomenaler Erfolg. Otto Wolf, proQuartier, diverse Bezirksamtsleiter haben den Beweis angetreten, dass öffentliche Daseinsvorsorge, wozu Wege und Straßenbau ohne jeden Zweifel zählen, ausschließlich in die öffentliche Hand gehört.
    Als jemand, welchem noch die vollmundigen Ankündigungen des damaligen Bezirksamtsleiters Fuchs in den Ohren klingeln (“Das HID wird ein Hit”), der selbst vor gar nicht allzu langer Zeit noch für diesen Unsinn propagandistisch tätig war (nein, ich bin kein armes unschuldiges Holzpüpplein, welches Fuchs und Wolf vom Pfad reinen Lehre abgebracht haben), habe ich den rhetorischen Aufwand über all die vielen Jahre gut verfolgen können und selten ein Projekt gesehen, wo Anspruch und Wirklichkeit derartig auseinander klafften.
    Die Fragen von hgue – sofern sie nicht rhetorisch sind – müssen alle mit einem Neeeee (mit noch viel mehr e, alternativ mit vielen ö) beantwortet werden.
    Zu 1: Neee, die Beteiligung ist niemals angestrebt worden. Die Hohlheit des Phantoms Beteiligung ist eigentlich richtig deutlich im letzten Jahr geworden, als die Baumfällungsbefürworteter sich nicht entblödeten, den Wettbewerb, wo zwei Steilshooper Vertreter dabei waren, und den Schnelldurchgang in Stadtteilbeirat als Beteiligung zu verkaufen. Erst die Initiative hat im Falle des Marktplatzes eine echte Beteiligung erzwungen. An den Ästen der Achse ist noch etwas Kosmetik versucht worden, aber das war viel zu spät.
    Zu 2: Dieses Mal ein Nöööö. Mag ja sein, dass wir zumindest im Osten jetzt wieder eine freie Sichtachse haben, im Westen war das so oder so ausgemachter Schwachsinn, weil dort der so wunderbar dahingeklotzte Pavillon steht. Mag auch sein, dass einige Mitbürger ihr Glück über die ellenlangen Bänke kaum fassen können, aber Nutznießer sind einzig und allein die Vermietungsgesellschaften, die jetzt die Verträge mit den Gartenbaufirmen (so sie jemals welche hatten) kündigen können, weil ja kaum noch Pflegebedarf besteht. Er kann natürlich sein, dass nun der ein oder andere Mieter sich Träumen von drastisch fallenden Nebenkosten hin gibt. Dann hat das ganze doch einen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger gehabt, denn schöne Träume sind etwas Feines. Nur blöd, dass man irgendwann durch ein ellenlanges und völlig unverständlichs Schreiben wieder aufgeweckt wird.
    Zu 3: Wie angekündigt: Wieder ein Näääää (variatio delectat). Meine Interessen zum Beispiel sind nicht einmal im Ansatz berücksichtigt, noch nicht einmal tangiert. Neben den Vermietungsgesellschaften profitiert eigentlich nur der Kaiser Napoleon, welcher ein ganz großartiger Straßenbauer war – und zwar schnurgerade Achsen von Kirchturm zu Kirchturm. Dadurch sparte er Baumaterial. Allerdings hat er sich bis heute – hier stark abweichend von Topotek – dabei unsterbliche Verdienste erworben. Er wollte seine Soldaten lieber im Schatten marschieren lassen und hat grandiose Alleen angepflanzt, während in Steilshoop der arme Lothar Lekat in der brütenden Sonne sitzen muss.

  • Matthias

    geiles titelphoto eigentlich, respekt

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